Die Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen im Kreis Soest schlagen Alarm. So kann es nicht weitergehen, sagen sie. Die Kassen kürzen die Honorare, aber es kommen immer mehr Patienten in die Praxen.
Die Stimmung ist gedrückt. Die Meisten machen sich Sorgen um ihren Job. Es sind rund 50 Menschen gekommen - vor allem Frauen. Ein Netzwerk von Psychotherapeuten und Psychtherapeutinnen hatte sich am Sonntag im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Soest versammelt.
Beruf meist von Frauen ausgeübt
In Deutschland sind 78 Prozent der Psychotherapeuten Frauen. Es ist die Berufsgruppe mit dem größten Frauenanteil. Schon seit zwei Monaten bekommt sie 4,5% weniger Honorar. Im Rahmen der Gesundheitsreform befürchten sie, dass ein Viertel der Therapieplätze auch noch wegfällt.
Die Therapeuten und Therapeutinnen wünschen sich gute Bedingungen für ihre Arbeit
Marion Hesse ist Sprecherin des Netzwerkes und Diplom-Psychologin. Sie klagt an und sagt, dass sei Diskriminierung einer Berufsgruppe, weil so viele Frauen als Psychotherapeutinnen arbeiten. Keine andere Berufsgruppe müsse so viele Abstriche erdulden.
"Man spart am falschen Ende. Es gibt immer mehr Patienten mit psychischen Problemen, aber immer weniger Psychotherapeutinnen. Besonders schlimm ist es im ländlichen Raum."
-Marion Hesse, Diplom-Psychologin-
Situation schreckt Nachwuchs ab
Kürzungen bei den Honoraren und wegfallende Therapieplätze im Rahmen der Gesundheitsreform schrecken viele Anwärter ab. Sechs Jahre Studium und eine fünfjährige Fachtherapieweiterbildung ist das, was spätere Psychotherapeuten und -therapeutinnen hinter sich haben, bevor sie in einem Klinikum oder der Ambulanz arbeiten können.
Doch diese Arbeitsplätze sind mittlerweile rar gesät. Von derzeit tausend ausgebildeten Psychotherapeuten werden nur hundert einen Job bekommen. Die Aussichten für den Nachwuchs sind schlecht. Zudem geht in vier Jahren ein Drittel der jetzigen Psychotherapeuten in Rente.
Von: Juan Yanez-Mejias
Quelle: https://www1.wdr.de/nrw/sauerland-siegerland/kreis-soest/psychoterapie-protest-soest-honorare-100.html