John Milbert erhält das Bundesverdienstkreuz für seine Arbeit bei Phönix.
Der 74-Jährige prägte den Verein über Jahrzehnte mit Herz und Engagement.
Wegbegleiter und Mitstreiter schätzen an Johann Milbert seine grundlegende Haltung, offen, aufrichtig, wertschätzend auf andere zuzugehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz im gesundheitlichen Bereich erhielt der 74-Jährige – den viele einfach John nennen – jetzt das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Johann Milbert darf sich geehrt fühlen, viel wichtiger sei ihm aber, wie er betont, dass diese hohe Auszeichnung die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenkt, mit dem sich die Gesellschaft an vielen Stellen noch immer schwertut. Lange gehörte der bekannte Soester dem Vorstand von Phönix an, ein durch starkes ehrenamtliches Engagement und persönliche Energie geprägter Soester Verein für seelische Gesundheit. Diese aktive Selbsthilfe-Gemeinschaft, die unter anderem dreimal die Woche zu einem offenen Tagestreff einlädt, freut sich sehr mit ihrem Ehrenmitglied John über die Würdigung, die, wie der Vorstand meint, „kaum besser zu einem Menschen passen könnte, der unseren Verein über so viele Jahre mit so viel Herz getragen hat.“ Mit seiner besonderen Art habe er „Räume geschaffen, in denen man sich gesehen und angenommen fühlt. Und dabei blieb er immer ganz er selbst: ehrlich, warm, klar und zutiefst menschlich.“
Landrat Heinrich Frieling (links) und Soests Bürgermeister Marcus Schiffer (rechts) dankten Johann Milbert – hier mit Ehefrau Karin – bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes für herausragenden Einsatz. © privat
John Milbert hilft. Das Phönix-Motto beschreibt wohl am besten seine eigene Motivation: „Es ist normal, verschieden zu sein.“ Wie so oft im Leben spielte der Zufall eine Rolle, erinnert er sich daran, wie er zu Phönix kam. Der Soester Hans Ballhausen – Vorstandmitglied der ersten Stunde – habe ihn seinerzeit in der Stadt angesprochen, was er denn von einem Projekt für akute Krisenhilfe halte und ob er sich wohl beteiligen wolle.
Als dieses Konzept jedoch keine Fördermittel vom Land bekam, entstand vor gut 20 Jahren die Idee, ein ehrenamtliches Team zu schulen, das Menschen in schwierigen Lebenslagen persönlich begleitet, sie unterstützt und in ihrer Beziehungsfähigkeit sowie in der Strukturierung ihres Alltags stärkt. In Zusammenarbeit mit VHS und der Telefonseelsorge wurde ein Kursus angeboten. Als Berater wirkten unter anderem Experten der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diakonie mit, ebenso die LWL-Klinik Lippstadt, der Paritätische Wohlfahrtsverband, der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises als auch der Verein Betreuen und Wohnen.
John Milbert brachte sich intensiv ein. Sein Wissen habe er aus der Zeit nach einem schweren Unfall bezogen sowie durch eine folgende belastende Krankheit, schildert der gelernte Reproduktionsfotograf. In der Mitte seines Lebens habe er sich gefragt, welcher Sinn in diesem tiefgreifenden Einschnitt steckt und sich dann entschlossen, „zum kleinen Frieden beizutragen“. Schon als Kind sei ihm zuhause vermittelt worden, dass jeder Mensch ein schützenswertes Wesen sei. Der Soester: „Wenn jemand vor der Tür stand, wurde er hereingebeten und bekam einen Platz am Tisch.“
John Milbert handele nach der Devise: „Siehe, was der Mensch mitbringt, nicht, woran es ihm mangelt“, unterstreicht der Phönix-Vorstand und fügt hinzu: „Welch wunderschöne Einstellung.“
Landrat Heinrich Frieling sprach dem rührigen und den Menschen zugewandten „Mitgestalter“ bei der Übergabe der Ordensinsignien in der Villa Plange seine Anerkennung aus. In der Begründung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den Bundespräsidenten heißt es: „John Milbert ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein verlässlicher und kompetenter Ansprechpartner, an den beispielsweise durch die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im Kreis Soest vertrauensvoll verwiesen werden kann.“
Auch im Bereich der Prävention engagiere er sich seit längerer Zeit, indem er das Programm „Verrückt – na und?“ unterstütze und regelmäßig mit Schülern über psychische Krisen und Erkrankungen spreche. John Milbert selber ist dankbar, stets ein gutes Team hinter sich gewusst zu haben, um gemeinsam vertrauens-, verantwortungs-, verständnisvoll agieren zu können.
Von: Heyke Köppelmann
Qelle: https://www.soester-anzeiger.de/lokales/soest/bundesverdienstkreuz-john-milbert-94074386.html